Herzlich Willkommen zur ENDSTATION:EINHEIT!

Sehr geehrte theaterbegeisterte, neugierige Einheimische und Gäste des Harzes,

ein Virus hält die Welt in Atem und wir alle erleben eine in dieser Form bisher unvergleichbare Zäsur durch alle Schichten unserer Gesellschaft. Gerade wir Kunstschaffende müssen mit kräftiger Stimme vorangehen und Zeichen setzen – für Solidarität, Mut, Durchhaltevermögen und Zusammenhalt. Das THEATERNATUR 2020 möchte dies in Form des kurzfristig im März ins Leben gerufenen Open Calls an Kolleg*innen der Freien Darstellenden Künste aus dem gesamten Bundesgebiet tun. Diesen Sommer werden Sie, liebe Zuschauer, neben unseren eigenen Produktionen so viele Gastspiele in kürzester Zeit wie nie zuvor auf der wunderschönen Waldbühne in Benneckenstein erleben dürfen. Ein besonderes Geschenk zum diesjährigen 70. Jubiläum ihres Baus. 

15 Ensembles oder Einzelkünstler*innen präsentieren eine bis dato beim THEATERNATUR einmalige Bandbreite verschiedener Theaterformen und Genres der Darstellenden Künste – Performance, Schauspiel, Tanz, Neuer Zirkus, Konzerte, Junges Theater, Interaktive Kunstinstallationen, und vieles mehr.  Das dies alles möglich ist, haben wir unserem großartigen Festivalteam und besonders unseren Fördermittelgeber*innen und  treuen Sponsor*innen zu verdanken, die trotz Corona bei ihren Zusagen geblieben sind und uns weiterhin finanziell unterstützt haben.  

Im Vergleich zu den Vorjahren, werden wir uns jedoch bei aller Euphorie auf einige Änderungen und Einschränkungen einstellen müssen. Den Hygienebestimmungen und Abstandsregelungen werden voraussichtlich auch im  August noch Rechnung zu tragen sein – vor, hinter und auf der Bühne. Daher befinden wir uns aktuell in regem und konstruktiven Austausch mit den zuständigen Behörden, dennoch werden wir vermutlich erst im Laufe des Juli konkret absehen können, wie viele Besucher*innen wir zu den jeweiligen Vorstellungen auf der Waldbühne Benneckenstein begrüßen dürfen.

Ursprünglich war geplant, unter dem Motto ENDSTATION:EINHEIT?, das 30-jährige Jubiläum der Wiedervereinigung einerseits zu feiern und diese andererseits auf den Prüfstand zu stellen. Wie ist es um die Realität dieser Einheit bestellt, welche Themen gilt es auch drei Jahrzehnte später noch zu bearbeiten? Angesichts der Herausforderungen einer globalen Pandemie jedoch, sollten Einheit und Zusammenhalt für den Moment in den Fokus, nicht in Frage gestellt werden. Dementsprechend wurde aus dem ursprünglichen Fragezeichen nun ein Ausrufezeichen.

Inhaltlich dreht sich alles um menschliche Nähe, ungewöhnliche Lebenswege, fragile Gefühlswelten, den Umgang mit individuellen wie auch kollektiven Erinnerungen und eben auch OST und WEST. So wie in der ersten unserer beiden diesjährigen Eigenproduktionen. Die Uraufführung zu ES IST NOCH NICHT SOWEIT ist bereits die zweite Zusammenarbeit mit dem preisgekrönten, jungen Autor Sören Hornung. Sein Stück lässt den Ost-Sandmann als sehr geschätztes Überbleibsel der DDR-Zeiten und sein Ebenbild aus der Bundesrepublik, der mit der Wende verschwunden ist, als alte Männer aufeinandertreffen.

Unsere zweite Eigenproduktion bringt endlich wieder zeitgenössischen Tanz zurück in den Harz. UN|EINS ist ein dreiteiliger Ballettabend, in dem unter anderem die junge Berliner Choreografin Xenia Wiest eine Uraufführung explizit zum Thema präsentiert. Das Tanztheater sollte ursprünglich durch eine Koproduktion mit der in Beer Sheva, Israel beheimateten Kamea Dance Company komplementiert werden, aufgrund der Reisebeschränkungen galt es umzuplanen. So ergänzt nun KONSEQUENZEN des Tanztheaters Erfurt den Abend. Als Abrundung wird der in Berlin ansässige, israelischer Choreograf und Tänzer Yotam Peled sein Solo BOYS DON’T CRY präsentieren.

Eine weitere Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren findet sich hinsichtlich der Festivalstruktur. Statt eines stetigen Wechsels zwischen Eigenproduktionen und Gastspielen sieht das Programm eine Dreiteilung vor. Vom 7. bis 11. August ist ES IST NOCH NICHT SO WEIT zu sehen und vom 21. bis 23. August der Tanzabend UN|EINS. Dazwischen, vom 12. bis 19. August, mischen sich die facettenreichen Gastspiele aus der gesamten Bundesrepublik. Im WALD|STUDIO sind auch drei Stücke für ein junges Publikum ab 4 Jahren zu erleben.

Darüber hinaus werden wir in diesem Jahr erstmalig mit zwei neuen Formaten über das Areal der Waldbühne hinaus, zusätzlich verschiedene Orte im gesamten Oberharz bespielen. Unter dem Namen FREI|LUFT|KULTUR sind bei freiem Eintritt zwei mobile Produktionen im öffentlichen Raum zu erleben – in Benneckenstein auf dem Max-Schmeling-Platz, in Braunlage im Kurpark, in Elbingerode im Schlosspark und in Hasselfelde auf dem Markt zu erleben.

Weiterhin wollen wir in Rahmen des zweiten neuen, ab sofort wiederkehrenden Formats namens HÆRZARCHIV persönliche Anekdoten und Geschichten der Oberharzer*innen sammeln, die in interaktiven Kunstinstallationen, vordergründig in leerstehenden Räumlichkeiten in der gesamten Stadt, präsentiert werden. In diesem Jahr, passend zum Leitthema Einheit, sollen ihre Erlebnisse und Erinnerungen aus dem Jahr 1990 im Fokus stehen. Im Anschluss an das Festival werden diese Geschichten und Erinnerungsstücke dann elektronisch erfasst und in unserem digitalen HÆRZARCHIV online verewigt.

Erleben Sie mit uns zusammen ein THEATERNATUR, was uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Bleiben Sie gesund und achten Sie aufeinander. Nur gemeinsam, mit Respekt und Einigkeit, werden wir es durch diese schweren Zeiten schaffen.   

Herzlichst Ihr,

Janek Liebetruth
Künstlerischer Leiter