GRUSSWORT

Ronald Fiebelkorn – Bürgermeister der Stadt Oberharz am Brocken

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger, liebe Gäste und Kunstliebhaber,

mit großer Freude und Dankbarkeit habe ich vor Wochen bereits Kenntnis erhalten, dass wir uns auch in diesem Jahr wieder als Einwohner oder Gäste der Stadt Oberharz am Brocken auf mittlerweile 17 sehr spannende, lehrreiche und unterhaltsame Theatertage hier auf der Waldbühne in Benneckenstein freuen dürfen.

Im fünften Jahr des Bestehens des Festivals TheaterNatur – umgangssprachlich auch als hölzerne Hochzeit ausgewiesen – dreht sich alles um ein historisches Ereignis, nämlich den Mauerfall vor 30 Jahren. Unter dem Spielzeitmotto „Grenzen:Los!“ wird uns der Regisseur und Spielleiter Janek Liebetruth noch einmal in die Zeit zurückversetzen bis zum heutigen Tag geprägt von Euphorie und Aufbruchstimmung aber auch Ernüchterung und Hilflosigkeit.

Ich finde es überaus bemerkenswert, ja schon grandios das mit dem Titel des letzten Jahres: „Fremde neue Welt“, der jetzigen Losung: „Grenzen:Los!“ und dem Titel des kommenden Jahres: „Endstation:Einheit?“ eine Trilogie entstehen wird die sowohl von der Umsetzung als auch künstlerischen Besetzung einmalig ist. Bereits auf der Pressekonferenz zur diesjährigen Spielzeit wurden viele Episoden aus der damaligen Zeit benannt die einher gingen mit friedlicher Revolution und Öffnung der Grenzen. Aber es gibt nicht nur Gewinner. Gerade auf den Gestrandeten sollte unser Blickwinkel liegen. Wie oft hat das Leben uns gezeigt, dass viele mit der gewonnenen Freiheit später nicht`s anzufangen wussten sich sogar nach ihrer kleinen Mickimaus Welt zurückgesehnt haben.

Die Freiheit ist ein „sonderbar Ding“. Sie ist unbequem, sie verlangt dem Einzelnen viel mehr ab als ein Leben unter der süßen Droge der Fremdbestimmung. Man ist für sich selbst verantwortlich. Das ist Arbeit, Entscheidung, Verantwortung. Deswegen fremdeln gerade viele Deutsche damit und flüchten sich lieber unter die scheinbar schützenden Fittiche eines allzuständigen Umverteilungsstaates, der, indem er nur das Beste für seine unmündigen, ergo: unzurechnungsfähigen Bürger zu wollen vorgibt, zum freundlichen Würgegriff ansetzt. Freiheit hat immer auch mit Grenzüberschreitung, Exzessen, Missbräuchen zu tun. Kontrollierte Freiheit, gelenkte Freiheit, perfekte Freiheit gibt es nicht. Die Freiheit ist wie das Leben – wild, widersprüchlich, wunderschön, aber nie vollkommen.

Ich wünsche nun allen Schauspielern einen tollen Erfolg und dem gesamten Team „TheaterNatur 2019“ einen erfolgreichen Verlauf und allen Gästen groß und klein viel viel Spass. Und denken Sie dran der Applaus ist das Brot des Künstlers.

Ronald Fiebelkorn