FALLSUCHT

Autobiographische Performance

Genre

PERFORMANCE
Biografie

Preise

Einzelticket: 18,50 € im VVK
ermäßigt: 14,50 € im VVK

Abendkasse abweichend

Spielort

WALD|STUDIO

INFOS ZUM KOLLEKTIV

Das Kollektiv schaefer||scherpinski wurde 2017 gegründet und besteht aus den beiden Künstlerinnen Annika Schäfer und Lara Scherpinski.

Das Interesse des Kollektivs bewegt sich zwischen bildender Kunst, Performance und Theater; es beschäftigt sich oft mit der Geschichte Deutschlands, der Archivierung von Wissen und autobiografischen Fragestellungen. Das künstlerische Team wird durch die Dramaturgin Meret Kündig, den Bühnen- und Kostümbildner Tom Schellmann und die Musikerin Chiara Strickland vervollständigt. 

 GASTSPIEL 
schaefer||scherpinski, Leipzig

Konzept schaefer||scherpinski
Regie Annika Schäfer
Dramaturgie
Meret Kündig
Ausstattung Tom Schellmann
Musik Chiara Strickland
Assistenz Paula Korneck

Premiere: 03. November 2019, NaTo Leipzig
Spieldauer: cirka 65 min.

Fallsucht erzählt von einer Krankheit, die von der Aura des Geheimnisvollen umgeben ist: Epilepsie. Heilig, prophetisch, sündig, unbändig, von Dämonen besessen. Eine menschliche Urangst, materialisiert in einer Krankheit, die den Frieden bedroht. Es ist dieses Unbeherrschbare, das unsere Gesellschaft immer wieder zu bewältigen sucht, indem sie es von sich wegstößt, in DIN-Passformen bringt oder sogar als Lebensform disqualifiziert. 

Lara Scherpinski untersucht in Fallsucht ihren Körper als Archiv von Familien- und Kulturgeschichte, als Sammelbecken von Mythen und gesellschaftlichen Debatten um Normalität und Andersartigkeit. Sie sucht nach der ästhetischen Darstellbarkeit eines inneren Zustandes, der zwischen Ekstase und Schmerzen, zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit oszilliert und sie in eine gesellschaftliche Isolation verbannt. In Form von Ritualen und Selbstversuchen, die immer bizarrere Züge annehmen, ergründet sie ihre Andersartigkeit und die gesellschaftlichen Dynamiken, die diese Andersartigkeit kreieren. 

FALLSUCHT ist eine kritische Begegnung mit dem Wahn um den gesunden Menschen. Ausgehend von der Familiengeschichte und Epilepsieerkrankung der Performerin Lara Scherpinski, beschäftigt sich das autobiografisch-theatrale Solo-Stück mit der politischen Aufarbeitung der Euthanasie sowie gesellschaftlichen Stigmata zwischen Heiligsprechung und Dämonisierung. Ob heilig und prophetisch oder sündig und vom Teufel besessen – über Jahrhunderte hinweg wurden Betroffenen Attribute zugeschrieben, die größtenteils moralisierenden Zuordnungen entsprangen und bis heute die öffentliche Wahrnehmung prägen. Nicht zuletzt kann die Stigmatisierung epilepsiekranker Menschen bis zur Frage um das Risiko der eigenen Fortpflanzung und zur Debatte über lebenswertes Leben führen. Neben der Auseinandersetzung mit der gesamtgesellschaftlichen Bedeutungen von Erkrankungen und deren Stigmatisierung, suchen wir im Bühnenraum nach der Darstellbarkeit eines unbeschreiblichen inneren Zustandes: In Tanz, Sprache und Bilderfluten erforschen wir das Empfinden einer Epileptikerin und versuchen dabei, den Mythos des geheimnisvollen Anderen zu dekonstruieren.

Das Kollektiv schaefer||scherpinski eröffnet auf der Bühne einen Ort, der analog als Spiegel für den Deutungsraum Körper fungiert. Lara Scherpinskis Körper und dessen Biografie werden zum erlebbaren geteilten Raum, zum Bindeglied, in dem sich die Zuschauer*innen reflektieren können. Durch ihren direkten und offenen Umgang mit der eigenen Körperbiografie wird die Performance zu einer Begegnung, die die Zuschauer*innen einlädt und ihnen eine sehr gemeinschaftliche und persönliche Erfahrung ermöglicht. Die Ehrlichkeit, über die eigene Krankheit zu sprechen, ermutigt Menschen dazu, sich zugehörig zu fühlen. Im Moment des Benennens von erfahrener Ausgrenzung, wird diese sichtbar und nachempfindbar. Dadurch entsteht ein verbindendes Moment, sowie das Gefühl der Aufhebung und Aushebelung von ausgrenzenden Mechanismen. Die Mischung aus persönlichen Geschichten und literarischen Texten erschafft ein Gesamtkunstwerk, welches nicht nur Menschen mit Epilepsie bestärkt, sondern alle Arten von „Andersartigkeit“ in unserer Gesellschaft aufnimmt und Menschen ungeachtet ihrer vermeintlichen Abweichungen von normativen Vorstellungen zusammenführt.

 

BESETZUNG

Lara Scherpinski

 

FÖRDERUNG

Eine Kooperation der Cammerspiele Leipzig und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Gefördert von der Kunststiftung Baden-Württemberg, der StiftungErlebnisKunst, Stadt Leipzig Kulturamt und der LEIPZIGSTIFTUNG. Mit besonderem Dank an die SHG-Epilepsie Leipzig und die IKK Classic.

Das Gastspiel in Benneckenstein wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Termine

Donnerstag 20. August
17:00 – 18:15 Uhr