TANZ|DOPPEL|ABEND | un|verbunden?
Wenn Worte fehlen, beginnt Bewegung. Zwei Choreografien, zwei Handschriften. Ein Tanzdoppelabend über Nähe und Distanz, der das erfahrbar macht, wofür Sprache oft nicht ausreicht.
Realidead
TANZPERFORMANCE | 30 Min | Lena Valentina Hauth & Jovana Petrovska, Fürstenfeldbruck
Zwei Körper teilen den selben Raum – aber nicht dieselbe Wirklichkeit. Können Sie dennoch zueinander finden? Bewegung greift ineinander, verändert sich, Körper treffen aufeinander. In eindrucksvollen Bildern wird „Realidead“ zu einer tänzerischen Suche nach Verbindung und gemeinsamer Realität.
EMBERS | Today is Yesterday and Tomorrow is another place
ZEITGENÖSSISCHER TANZ | 70 Min | Lisa Bless & Anand Dhanakoti, Heidelberg
Sie haben nahezu alles verloren, alles brennt. Und trotzdem sucht jemand deine Hand. Jede Zukunft erzählt auch immer davon, wie wir heute miteinander leben. EMBERS ist ein hypnotischer Tanzabend, Ritual und Zukunftsvision, radikal sinnlich und von hypnotischer Schönheit.
REALIDEAD
Was geschieht, wenn zwei Menschen denselben Raum teilen – aber nicht dieselbe Wirklichkeit?
Mit beeindruckender Präzision und großer körperlicher Intensität entwerfen Lena Valentina Hauth und Jovana Petrovska in ihrer Tanzperformance Realidead eine Welt, in der Begegnung alles andere als selbstverständlich ist. Zwei Körper treffen aufeinander: der eine weich, organisch und durchlässig, der andere geformt, begrenzt und von unsichtbaren Regeln bestimmt. Was zunächst wie ein Gegensatz erscheint, entwickelt sich zu einem faszinierenden Spiel aus Annäherung, Widerstand und Veränderung.
Ohne Worte entstehen Bilder, die unmittelbar wirken. Bewegungen brechen ab, greifen ineinander, stoßen sich ab und finden überraschend neue Wege. Die Körper reagieren aufeinander, verschieben Grenzen und schaffen Momente, in denen sich plötzlich etwas verändert. Realität erscheint dabei nicht als etwas Festes, sondern als etwas, das erst im Miteinander entsteht – und sich mit jeder Begegnung neu formt.
Ausgangspunkt dieser besonderen Bewegungssprache sind auch die unterschiedlichen künstlerischen und biografischen Hintergründe der beiden Performerinnen. Was jede von ihnen an Erfahrungen, Prägungen und Perspektiven mitbringt, fließt in die Choreografie ein und macht Realidead zu einem intensiven Dialog zweier Wirklichkeiten.
Gerade darin berührt die Performance den Kern des Festivalmottos un|verbunden?. Sie fragt nicht nach schnellen Antworten oder einfacher Harmonie. Stattdessen macht sie sichtbar, wie Verbindung überhaupt entstehen kann: indem wir Unterschiede nicht auflösen, sondern ihnen begegnen. Nähe wird hier nicht behauptet, sondern Schritt für Schritt ausgehandelt. Jede Bewegung verändert die andere. Jede Entscheidung erzeugt Resonanz.
Realidead ist ein ebenso kraftvoller wie poetischer Tanzabend über Wahrnehmung, Identität und die Kunst, trotz unterschiedlicher Wirklichkeiten gemeinsam in Bewegung zu kommen. Eine Einladung, Verbindung nicht als Zustand zu verstehen, sondern als etwas, das immer wieder neu entsteht – zwischen Körpern, Blicken und Menschen.
EMBERS | Today is Yesterday and Tomorrow is another place
Was geschieht, wenn wir nach der Begegnung weiterfragen?
Direkt im Anschluss an Realidead setzt EMBERS – today is yesterday and tomorrow in another place den Tanzabend fort und öffnet den Blick noch einmal neu. Während Realidead fragt, wie Verbindung zwischen unterschiedlichen Wirklichkeiten entstehen kann, richtet EMBERS den Blick auf eine Welt im Wandel – und auf die Frage, wie wir darin füreinander da sein können.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen ineinander. Erinnerungen, Hoffnungen und das, was erst noch kommen wird, existieren gleichzeitig. Aus einer deutsch-indischen Perspektive entwickeln Lisa Bless und Anand Dhanakoti einen poetischen Tanzabend, der von Veränderung, Verlust und der Sehnsucht erzählt, in all dem nicht allein zu sein.
Ausgangspunkt ist eine Welt, die sich verändert. Die Klimakrise bleibt dabei nicht abstrakt, sondern schreibt sich in Körper, Beziehungen und Bewegungen ein. Die Tänzer*innen suchen Nähe, verlieren sie wieder, tragen einander, halten sich fest und lassen los. Zwischen präziser Körperarbeit und beinahe rituellen Momenten entstehen eindrucksvolle Bilder von Erschöpfung und Hoffnung, von Bedrohung und dem tiefen Wunsch nach Verbindung.
Besonders ist die choreografische Sprache selbst. Unterschiedliche kulturelle Prägungen, Bewegungsqualitäten und Rhythmen begegnen einander, ohne sich gegenseitig aufzulösen. Verbindung entsteht nicht durch Gleichheit, sondern durch Aufmerksamkeit, Vertrauen und das gemeinsame Aushandeln eines Miteinanders.
Gemeinsam bilden Realidead und EMBERS einen außergewöhnlichen TANZ|DOPPEL|ABEND. Zwei Choreografien, zwei Handschriften, zwei Perspektiven – und doch kreisen beide um dieselbe Frage: Wie können wir einander begegnen, wenn unsere Wirklichkeiten verschieden sind und die Welt sich verändert?
Besetzung
Realidead
Konzeption, Kreation, Tanz: Lena Valentina Hauth
Tanz: Jovana Petrovska
EMBERS | Today is Yesterday and Tomorrow is another place
Künstlerische Leitung, Kreation, Tanz: Lisa Bless
Künstlerische Mitarbeit, Tanz: Anand Dhanakoti
Musik: Peter Hinz
Lichtdesign und Fotografie: Vojtěch Brtnický
Mitarbeit: Pankaj Sihag
Project Management und Unterstützung: Mel Brinkmann, Maíra Wiener
EMBERS wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Tanz, gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur – und Kunstministerien der Länder.


Lena Valentina Hauth
ist Tänzerin und Choreografin. Sie studierte Zeitgenössischen Tanz am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) der Hochschule für Musik und Tanz Köln. In ihren Arbeiten verbindet sie körperliche Präzision mit einer poetischen Bildsprache und erforscht, wie Wahrnehmung, Begegnung und Bewegung neue Formen von Verbindung entstehen lassen. Gemeinsam mit Jovana Petrovska entwickelte sie die Tanzperformance Realidead.
Lisa Bless
ist Tänzerin und Choreografin aus Heidelberg. Sie studierte Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln sowie im internationalen Ausbildungsprogramm Performact in Portugal. In ihren Arbeiten verbindet sie zeitgenössischen Tanz mit interdisziplinären Ansätzen und beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Klimakrise, gesellschaftlichem Wandel und der Frage, wie Menschen miteinander in Beziehung treten. Ihre Choreografien waren bereits auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals zu sehen.
Anand Dhanakoti
ist Tänzer, Choreograf und Performer aus Bengaluru (Indien) und lebt heute in Hamburg. Nach Ausbildungen in klassischem Ballett, Jazz sowie indischen Kampfkünsten und Yoga studierte er an der Contemporary Dance School Hamburg. In seinen international gezeigten Arbeiten verbindet er zeitgenössischen Tanz mit persönlichen und gesellschaftspolitischen Themen und entwickelt eine kraftvolle, körperliche Bewegungssprache, die Fragen von Identität, Erinnerung und sozialer Gerechtigkeit erforscht.











